2008
06
Mrz
Wer wählt die Linkspartei?
In der Auseinandersetzung mit der Linkspartei geht es nicht nur um das, was die Linkspartei sagt - sondern auch um die Frage, warum Wähler der Linkspartei ihre Stimme geben. Gerade aufgrund des doch sehr unterschiedlichen Hintergrunds der Linkspartei im Osten (PDS) und im Westen (WASG) der Republik ist diese Frage entscheidend - zum Verständnis des Phänomens Linkspartei und zur gezielten, inhaltlichen Auseinandersetzung.
Jenseits repräsentativer Beantwortungsversuche ist ein Bericht von SPIEGEL Online erhellend, der exemplarisch eine Reihe von Linkswählern vorstellt:
- Jura-Student aus Berlin (25): gegen Kosovo-Krieg, gegen Hartz IV, gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, für linke Bildungspolitik
- Rentner aus Berlin (70): für soziale Gerechtigkeit, für linke Außen- und Sicherheitspolitik
- Arbeitslose aus Essen (46): für ein “sozial gerechtes System” und eine “gerechte Besteuerung”
- Informatiker aus Gera (24): Traditionell PDS-Wähler, für soziale Gerechtigkeit, schätzt die Kompetenz der Linken in den Neuen Medien
- Rentnerin aus Suhl (70): Schon früher SED-Mitglied (aus Überzeugung). Zitat: “Ich dachte wirklich, die DDR sei demokratisch, nun war alles anders.”
- Doktorand aus Hamburg (29): gegen Agenda 2010, Hartz-Gesetze und Kosovo-Einsatz, Attac-Mitglied
- Verkäuferin aus Kreis Viersen (25): wählt DIE LINKE wegen Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit
- Gewerkschafter aus Frankfurt (44): findet SPD und Grüne seit der Agenda 2010 nicht mehr wählbar. Zitat: “Als Gewerkschafter halte ich die Positionen der Linken für unabdingbar für eine gute Bildung, nachhaltige Ökonomie und Ökologie und für die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze einzutreten.”
- Rettungsassistent aus Schwanewede (32): findet die SPD seit der Großen Koalition unglaubwürdig, wählt DIE LINKE wegen sozialer Gerechtigkeit.
Allein dieser Querschnitt zeigt, dass sowohl die Motive der Wähler als auch ihr Hintergrund höchst unterschiedlich sind. Ein gewisser gemeinsamer Nenner ist der Wunsch nach mehr “sozialer Gerechtigkeit”, der sich in allen Alters-, Berufs- und Gesellschaftsgruppen wiederfindet - nicht nur bei den Arbeitslosen. Irritierend ist die Tatsache, dass auch Gebildete DIE LINKE wählen - obwohl, so die Demoskopen, kaum jemand ihr wirkliche Kompetenz z.B. in der Arbeitsmarktpolitik zutraut.
