2008 06
Sep

Das “reaktionäre Utopia” der Linkspartei

Tag: Allgemeinesadmin @ 10:21 am

Gerade gestern hatten wir vor falschen Akzenten in der Auseinandersetzung mit der Linkspartei und einer schleichenden Gewöhnung an die neosozialistischen Positionen der Linken gewarnt. In eine ganz ähnliche Richtung geht ZEIT-Herausgeber Josef Joffe unter dem überaus passenden Titel “Reaktionäres Utopia“.

Im wesentlichen zeigt sich Joffe entsetzt über den Umgang der SPD mit der Linkspartei:

“Wenn die SPD überhaupt gegen die Linke antritt, dann nicht mit Argumenten, sondern Anwürfen - so wie kleine Kinder im Du-bist-doof-Duell: Umstürzler, Stasi-Schurken…

Ein anderer Teil der SPD will sich gar mit ihrem schlimmsten Feind ins Bett legen, wie Andrea Y., die in ihrer Wahrheitsliebe nur noch von Pinocchio übertroffen wird. Dass Anschreien, Anwanzen und Abkupfern so gut funktionieren wie ein Windrad im Wohnzimmer, belegt der tägliche Niedergang in den Umfragen. Nur noch sechs Prozent trauen der SPD politische Kompetenz zu.

‘Es ist Zeit für den inhaltlichen Kampf!’, rief Klaus von Dohnanyi den Genossen im März zu. (…) Im August 2007 hatte Fraktionschef Peter Struck die Genossen mit einem Papier zu munitionieren versucht, das akribisch addierte, was die Heilsversprechungen der Linken den Staat kosten würden: 154,7 Milliarden pro anno. Dies allerdings in einer dürren Sprache, die allenfalls einen Amtsmann erregen könnte.

‘Wie gegenfinanzieren?’ ist ebenfalls kein aufrüttelnder Slogan. Warum machen die Genossen dem Wahlvolk nicht klar, dass die 150 Milliarden Dolce Vita auf Pump wären und ihre Kinder dafür zahlen müssten? Dass solche trickreichen Wohltaten der Verrat an der Jugend wären, die Kostenabwälzung von den Toten auf die Lebenden?

Den Lafontisten ist die Zukunft egal - zum ersten Mal in der Geschichte der Linksparteien, die stets dem Fortschritt huldigten. Das ‘Utopia’ dieser Linken ist geradezu ein reaktionäres: zurück in die Goldenen Sechziger der Abschottung, der staatlichen Monopole, der rationierten Konkurrenz. Dass die Bundespost für ein Ortsgespräch 20 Pfennig nahm, wofür man heute (inflationsbereinigt) 20 Minuten mit der Oma in Winsen telefoniert, unterschlagen die roten Reaktionäre genauso wie den anti-emanzipatorischen Pferdefuß, der in der Forderung nach den alten Ladenschlusszeiten steckt. Die trafen doch just die kleinen Angestellten, denen nach Büroschluss nur noch Minuten blieben, um das Abendbrot zu sichern.

Verteilen statt produzieren, zurück statt voran, Zuteilung statt Zuversicht, der Staat als Arbeit- und Taktgeber, dem nie das Geld ausgeht? Dohnanyi hat recht: ‘Mit Parteien, die gefährlichen Unsinn vertreten, kann man nicht koalieren, auch wenn die demokratische Gesinnung noch so gut gemeint ist.’ Mit denen muss man streiten, statt verlogene Geschäfte wie in Hessen zu machen.”

Damit spricht der ZEIT-Herausgeber uns wahrlich aus dem Herzen! Dass die SPD diese simplen Wahrheiten nicht erkennt, sagt viel über den Zustand einer einst großen Volkspartei …

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.