2008 21
Sep

Lafontaine, Hitler und das Thema Enteignung

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt verglich die rhetorischen Fähigkeiten Oskar Lafontaines kürzlich mit denen Adolf Hitlers. Darüber hinaus haben Hitler und der “Mini-Bonaparte” aber noch etwas gemeinsam: Sie hetzen in übelster Weise gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen, die sie als vermeintliches Übel für vermeintliche Misstände ausgemacht haben.

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2008 30
Jun

Dieter Bohlen nach Mallorca: “Wenn der Lafontaine kommt, bin ich weg, dann gehe ich nach Spanien.”

Mal eines gleich vorweg: Ich bin kein Fan von Dieter Bohlen. Muss man aber auch nicht sein, um Sympathie für die jüngsten Äußerungen des Musikproduzenten zu empfinden. Im Gespräch mit der Mallorca Zeitung sagte Bohlen in Bezug auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linkspartei nach der Bundestagswahl 2009: “Wenn der Lafontaine kommt, bin ich weg, dann gehe ich nach Spanien.”

Bohlen ist keineswegs der Einzige, der so denkt. Und dabei sind es nicht nur “die Reichen”, die bei einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei Deutschland den Rücken kehren dürften. Auch junge, gut ausgebildete Menschen aus dem Mittelstand, die heute bereits vom Staat an allen Ecken und Enden gegängelt und zur Finanzierung eines ineffizienten und damit für alle Beitragszahler hochgradig ungerechten Sozialsystems gezwungen werden, denken immer lauter über’s Auswandern nach.

Kein Wunder also, wenn 2007 soviele Menschen aus Deutschland ausgewandert sind wie zuletzt im Jahr 1954. Eine aktuelle Prognos-Studie benennt die Gründe: “Die Attraktivität beruflicher Möglichkeiten im Ausland stellt das Hauptmotiv für die Auswanderung von Fach- und Führungskräften aus Wirtschaft und Wissenschaft dar.” Direkt danach folgt die unmittelbare Einkommensituation respektive die Steuerbelastung.

Wenn Lafontaine und seine Truppe in Berlin erst einmal mitregieren, gibt es für diese Bevölkerungsgruppe kein Halten mehr.


2008 28
Jun

Lafontaine: Soziale Marktwirtschaft verfassungswidrig

Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert: “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.” Grenzen findet diese Freiheit nur, wo durch eine solche Meinungsäußerung andere Gesetze verletzt würden - zum Beispiel in Form von Volkshetzung oder Beleidigung.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut und sollte von niemandem infrage gestellt werden. Wir alle sollten uns allerdings der “Risiken und Nebenwirkungen” dieses Grundrechts bewusst sein: Jeder hat das Recht, praktisch beliebige Unwahrheiten zu erzählen, ohne dass man ihn daran hindern könnte. Die Behauptung, schwarz sei gleich weiss, ist durch Art. 5 GG genauso gedeckt wie fast jede andere Meinungsäußerung. “Scheiße schmeckt nach Vanille” - durch das Grundgesetz gedeckt. “In Dubau schneit es regelmäßig” - natürlich ok.

“Das jetzige Wirtschaftssystem ist nach unserer Überzeugung verfassungswidrig.” - Natürlich ist auch dieser Satz durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Gesagt wurde er von Oskar Lafontaine auf einer Parteiveranstaltung der Linkspartei Anfang Juni in Stuttgart. Die BILD-Zeitung spricht von einer “schlimmen Entgleisung”, CDU-Mann Wolfgang Bosbach von “purer Hetze”.

Entscheidend ist: Lafontaine kann solche Dinge einfach behaupten, ohne dass ihm jemand ebenso plakativ (sprich: medientauglich) wie systematisch (sprich: sachlich korrekt) nachweist, was für einen Unfug er da von sich gibt. In unserer modernen Mediengesellschaft sind Fakten irrelevant geworden. Noch so hirnrissige und kranke Behauptungen, mit dem Brustton der Überzeugung vorgetragen, werden gerne geglaubt, wenn sie nur irgendwie ins Weltbild und Wunschdenken der Zuhörer passen. Das ist die Grundlage für den Erfolg von Populisten und Demagogen und langfristig die größte Gefahr für unsere freiheitliche Verfassung.


2008 24
Mai

Die Rede Oskar Lafontaines auf dem Parteitag der Linkspartei

Nach der eher langweiligen Rede von Lothar Bisky auf dem Parteitag der Linkspartei in Cottbus zeigte Oskar Lafontaine einmal mehr, wer in der Linkspartei den Ton angibt. In Richtung der Medien, die Lafontaines Dominanz in der Linkspartei gerade im Vorfeld der Parteitags immer wieder thematisiert hatten, verwies Lafontaine auf die demokratische Struktur seiner Partei und verwahrte sich gegen die Hochstilisierung eines Vorsitzenden zum “Alleinherrschenden oder gar zum Stalinisten”.

Inhaltlich bot Lafontaines Rede keine Überraschungen, einige seiner zentralen Äußerungen sollen aber dennoch nicht unkommentiert bleiben:

In einer vermeintlich kritischen Auseinandersetzung mit der DDR lobte er zunächst einige Aspekte des ostdeutschen Staats (”mehr soziale Gleichheit, mehr Gleichstellung der Frauen in Beruf und Gesellschaft, mehr soziale Sicherung, ein besseres Gesundheitswesen und eine gute Schulbildung”). Dann diagnostizierte er, die DDR sei gescheitert, “weil sie kein Rechtsstaat war, weil sie keine Demokratie war und weil die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu wenig Mitbestimmung hatten”. Kein Wort von der Staatswirtschaft, die systematisch Armut für ihre Bürger produziert und am Ende das Land als wirtschaftlichen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Auch den Begriff “Freiheit” vermeidet Oskar Lafontaine in diesem Zusammenhang. Hier zeigt sich: Die Distanzierung Oskar Lafontaines von der DDR ist bestenfalls halbherzig.

In seiner Argumentation gegen das militärische Engagement der Bundesrepublik in Afghanistan bezieht sich Lafontaine wiederholt auf die Friedenspolitik von Willy Brandt - die Berufung auf Ikonen der Sozialdemokratie als Zeugen für seine Positionen hat bei Lafontaine System. Die zuvor auch von Lothar Bisky verwendete Formulierung “Von deutschem Boden darf niemals wieder Krieg ausgehen” bemüht auch Lafontaine - eine ungeheuerliche und unerträgliche Gleichsetzung der Angriffskriege des letzten Jahrhunderts mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Zielrichtung ist offenkundig: DIE LINKE will die von den Grünen enttäuschten Anhänger der Friedensbewegung ins eigene Lager ziehen.

Eine rhetorische Meisterleistung ist auch die vermeintlich zwingende Verbindung zwischen Freiheit und Gleichheit, die Lafontaine herzustellen versucht. Dabei zitiert er Rosa Luxemburg mit den Worten “Freiheit ohne Gleichheit ist Ausbeutung, Gleichheit ohne Freiheit ist Unterdrückung”. Was dann kommt, ist rhetorisch auf den ersten Blick brillant, beim genaueren Hinsehen aber ein leicht durchschaubares Täuschungsmanöver:

“Manchmal muss man es auch mit der Logik halten können, wenn man sich zu solchen Fragen äußert. (…) Wenn man sich zur Begrifflichkeit äußern will, muss man zwei Termini kennen und die heißen nun einmal: hinreichend und notwendig. Und für die Freiheit gilt folgendes: Notwendig für die Freiheit ist selbstverständlich die politische Freiheit und die geistige Freiheit. Notwendig für die Freiheit ist selbstverständlich die soziale Gleichheit, denn es ist nun einmal richtig, den Aidskranken in Afrika nützt die politische und geistige Freiheit wenig. Aber hinreichend für die Freiheit sind nur beide zusammen. Soziale Gerechtigkeit und politische und geistige Freiheit. Nur beide zusammen sind hinreichend. Eines allein geht nicht!”

Herr Lafontaine, kommen Sie, das ist doch nicht Ihr Ernst? Erst an die Logik appellieren und damit den Anspruch einer absoluten Wahrheit erzeugen. Und dann eine Behauptung aufstellen (”Notwendig für die Freiheit ist selbstverständlich die soziale Gleichheit”), die durch nichts zu belegen ist, um dann noch einen draufzusatteln, indem man aus zwei (angeblich) notwendigen Bedingungen konstruiert, nur beide zusammen seien hinreichend? Ist das die Logik der Linkspartei?

Als Wurzel allen Übels identifiziert Lafontaine anschließend den “finanzmarktgetriebenen Kapitalismus“. Zu dessen Bekämpfung hat er bereits einen “Medikamenten-Cocktail” zusammengestellt: Kapitalverkehrskontrollen, Stabilisierung der Wechselkurse, Einführung der Tobin-Steuer, Trockenlegung von Steueroasen, Kontrolle der Rating-Agenturen, Verbot von Hedge-Fonds (großer Beifall aus dem Publikum), internationale Regeln für den Bankensektor, internationale Koordination der Bankenaufsicht, Einführung einer Börsenumsatzsteuer, Verbot von Aktienoptionen als Managervergütung, Verbot der Verlagerung von Risiken in Zweckgesellschaften, Verbot der Forderungsverbriefungen. - Wer solches fordert, braucht den Kapitalismus gar nicht erst abzuschaffen, er legt ihn de facto einfach nur still.

Überhaupt bemüht sich Lafontaine, seine Ideen von der Einführung des Sozialismus elegant zu verpacken. Er warnt vor der “Aushöhlung der Demokratie” durch den Finanzkapitalismus und proklamiert, wer die “Demokratie retten” wollen, müsse die Verfügungsgewalt des Kapitals begrenzen. Nach Lafontaines Lesart leben wir schon gar nicht mehr in einer Demokratie:

“Demokratie, wir bleiben dabei, heißt eine politische Ordnung, in der die Angelegenheiten nicht im Interesse weniger, sondern im Interesse der Mehrheit geordnet werden. Davon, dass bei uns die Angelegenheiten im Interesse der Mehrheit gehandhabt werden, kann seit vielen Jahren nicht mehr die Rede sein.”

Dass die Politik bei weitem nicht alle “Angelegenheiten” regeln kann, verschweigt Lafontaine geflissentlich. Implizit unterstellt er allen anderen Parteien damit, im Interesse einer Minderheit zu agieren und die Interessen der Mehrheit zu ignorieren.

Auf Basis einer falschen Diagnose lässt sich dann auch leicht jede gewünschte Therapie propagieren:

“Wer die Demokratie retten und dem sich immer schneller drehenden Rad des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus in die Speichen greifen will, muss seine zentrale Voraussetzung in Frage stellen. Die alleinige Verfügung der Unternehmenseigener und Finanzinvestoren über Gewinn, Investitionen und Kapital. Solange wir das nicht geändert haben, leben wir nicht in einer demokratischen Gesellschaft.”

Ganz konkret zielt Lafontaine dabei unter anderem auf eine andere Verteilung des Betriebsvermögens. Seine krude Argumentation:

“Ebenso wichtig weil systemverändernd, ja systemüberwindend ist eine andere Verteilung des Zuwachses des Betriebsvermögens. Wenn ein Arbeitgeber eine Fabrikhalle errichtet und das dazu gehörende Inventar bezahlt, um eine Produktion aufzunehmen, dann gehört das Betriebsvermögen ihm. Wenn aber aus der laufenden Produktion heraus eine zweite Halle samt Inventar finanziert wird, dann gehört diese zweite Halle nicht allein dem Unternehmer, sondern auch der Belegschaft, ohne deren Arbeit dieses Vermögen niemals entstanden wäre! Daher schlagen wir vor, den Zuwachs des Betriebsvermögens zur Hälfte der Belegschaft zu überlassen.”

Routiniert führt er dann Parteitagsbeschlüsse von SPD aus den 60er Jahren und ein vierzig Jahre altes Thesenpapier der FDP ins Feld, um seine Forderungen als plausibel erscheinen zu lassen.

Abschließend widmet sich Lafontaine noch einem seiner Lieblingsthemen, den Medien:

“Ich komme zum Thema der Pressefreiheit. (…) in der Ära des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus wird die Pressefreiheit immer weiter untergraben. Der spektakulärste Fall ist das ‘Wallstreet Journal’, Robert Murdoch kaufte es für 5,6 Milliarden Dollar. Seither darf das ‘Wallstreet Journal’ die Meinung von Robert Murdoch verbreiten. Der Kampf der Redaktion um Unabhängigkeit war von vornherein aussichtslos.

Berlusconi regiert in Italien, weil er den größten Teil der Medien unter seine Kontrolle gebracht hat. In Frankreich ist eine Debatte über die Unabhängigkeit der Presse entbrannt, weil ‘Le Monde’, ‘Le Figaro’, ‘Liberation’, ‘Paris Match’, Gratiszeitungen, Radio- und Fernsehstationen ganz oder zum Teil in der Hand von Industriellen oder Finanzinvestoren sind.

Auch in Deutschland schreitet der Konzentrationsprozess voran. Auch bei uns werden Zeitungen aufgekauft und den Standards des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus unterworfen. (…) Es werden Unternehmensteile ausgegründet, man nimmt wie selbstverständlich Leiharbeiter in Anspruch und geht über zur Lohndrückerei. (…) Wir müssen hier Abhilfe schaffen, liebe Freundinnen und Freunde, denn Demokratie braucht eine funktionierende freie Presse. Mitbestimmung und Mitarbeiterbeteiligung, ich verweise nur auf den ‘Spiegel’, sind auch hier Möglichkeiten, um die Stellung der Redaktionen deutlich zu verbessern. (…)

Es geht eben nicht nur, wenn wir über Pressefreiheit reden, um die Freiheit vom Staat. Jawohl, die ist bei uns gewährleistet. Es geht aber auch um die Freiheit von wirtschaftlicher Macht, von Beeinflussung durch wirtschaftliche Macht. Und die ist nicht gewährleistet in diesem Lande! Nur ein Blinder kann das übersehen!”

Wir erinnern uns lebhaft an die Struktur der Medienlandschaft in der DDR und der Sowjetunion - hat ja wunderbar funktioniert!

Im Gegensatz zu Lothar Bisky, der nur einen müden Applaus erhielt, gibt es nach der Rede Lafontaines stehende Ovationen. Am Abend werden Lafontaine und Bisky als Parteivoritzende bestätigt. Bis 2010 bleibt es bei der Doppelspitze, ab dann soll die Partei von einem einzelnen Vorsitzenden geführt werden. Heute ist bereits klar, wer das sein wird.

(Hier der Gesamttext der Rede auf der Web-Site der Linkspartei.)


2008 20
Mai

Oskar Lafontaine zwischen Rhetorik und Demagogie

Oskar Lafontaine ist ein brillanter Redner - nicht umsonst wurde eine Bundestagsrede Lafontaines vom “Seminar für Allgemeine Rhetorik” der Universität Tübingen als beste “Rede des Jahres 2007″ ausgezeichnet. Wohlbemerkt: Die Auszeichnung galt natürlich nicht dem Inhalt oder gar dem Wahrheitsgehalt der Rede, sondern der den rhetorischen Fähigkeiten des Redners.

Ein Interview mit Lafontaine in der “Passauer Neuen Presse” zeigt einmal mehr, wie manipulativ die Worte dieses gewieften Rhetorikers (andere sagen: Demagogen) gewählt sind.

Ganzer Artikel “Oskar Lafontaine zwischen Rhetorik und Demagogie”


2008 15
Apr

Bahn, Telekom, Strom, Post, Medien und Großkonzerne - alles verstaatlichen!

Obwohl wir uns wahrlich intensiv mit der Linkspartei und den Äußerungen ihrer Vertreter auseinandersetzen, entgeht uns bisweilen das eine oder andere “Highlight”. Einige bemerkenswerte Zitate führender Politiker der Linkspartei finden sich in einer jetzt erschienenen Informationsbroschüre der CDU (PDF):

‘Bahn, Telekom, Strom, Post - das muss alles wieder in Staatseigentum.’
Marjana Schott, Landtagsabgeordnete der Linkspartei in Hessen

‘Unser Fernziel ist, Konzerne wie Daimler-Chrysler, BMW und Großbanken wie die Deutsche Bank zu vergesellschaften.’
Dieter Dehm, Vorsitzende der Linkspartei in Niedersachsen

‘Die Überführung der Privatsender in öffentlich-rechtliche Trägerschaft wäre mein Herzenswunsch.’
Oskar Lafontaine

‘Wir brauchen [...] eine Demokratisierung der Medien. [...] Eine freie Presse kann nicht in der Hand der Wirtschaft sein.’
Oskar Lafontaine

Erschreckend, dass DIE LINKE aus 45 Jahren Sozialismus offenbar nichts, aber auch rein gar nichts gelernt hat. Noch viel erschreckender, dass auch im Westen viele Menschen ihre Freiheit offenbar nicht mehr zu würdigen wissen und auf solche Parolen hereinfallen.


2008 15
Apr

Oskar Lafontaine: Telekom und Post wieder verstaatlichen

Im Interview mit der WELT sagte Oskar Lafontaine auf die Frage, ob DIE LINKE in ihrem Programm die Wiederverstaatlichung von Post und Telekom fordern werde:

“Dass Post und Telekom in öffentlichem Besitz waren, hat sich über viele Jahre bewährt. Auch die Bahn sollte in Staatsbesitz sein.”

Aber sicher, Herr Lafontaine. Dürfen wir daran erinnern, dass zum Beispiel die Kosten für Fern- und Auslandsgespräche in den Jahren nach der Telekom-Privatisierung durch den Wettbewerb um über 90 Prozent (!) gesunken sind? Um es anders zu sagen: Die staatliche Telekom hat die Kunden jahrelang mit dem Zehnfachen dessen “abgezockt”, was marktgerecht gewesen wäre. Oder vielleicht dürfen wir daran erinnern, dass das Monopolunternehmen Post derart höllische Angst vor dem Wegfall des Briefmonopols und den Wettbewerbern hat, dass Klaus Zumwinkel die Bundesregierung zur Festschreibung überhöhter Mindestlöhne einspannte?

Auf die direkte Frage, wie man sich die geplante Verstaatlichung des Stromsektors vorstelle und ob man die Aktionäre dabei enteignen oder entschädigen wolle, antwortet Lafontaine:

“Die neoliberale Privatisierung der Energiewirtschaft führt zu Monopolpreisen und zu Abzockerei. Die Stromnetze gehören in die öffentliche Hand. Wichtig ist, dass Städte und Gemeinden keine weiteren Anteile ihrer Stadtwerke an private Unternehmen veräußern. Darüber hinaus müssen die Strompreise wieder wie bisher staatlich genehmigt werden. Die Veränderung der Eigentumsstrukturen kann nur schrittweise erfolgen.”

Privatisierung führt zu Monopolpreisen. Ahja, ist ja logisch. Herr Lafontaine, kurze Nachhilfestunde in Volkswirtschaftslehre: Die Situation auf dem deutschen Strommarkt ist ein Oligopol - haben Sie sicher auch schon mal gehört. Hier gibt es zu wenig Markt und zu wenig Wettbewerb. Das beste, was der Staat als Betreiber der Stromversorger tun könnte, wäre auf die Rendite zu verzichten - und statt dessen die Kosten durch Ineffizienz und Bürokratie hoch zu halten.

Bei allem Unfug, den Oskar Lafontaine so von sich gibt, hat er in einem Punkt - leider - vollkommen Recht:

“Wir zeigen gerade, dass man aus der Opposition heraus regieren kann. Die Veränderungen bei Mindestlohn, Arbeitslosengeld, Rentenerhöhung, Kinderzuschlag oder Wohngeld sind auf unseren Druck zurückzuführen.”

Es ist höchste Zeit, dass SPD und CDU dies endlich verstehen und sich nicht mehr von der Linkspartei vorführen lassen.


2008 09
Apr

Innerparteiliche Kritik aus dem Osten

Wie DIE ZEIT im Vorgriff auf ihre morgige Ausgabe berichtet, ist in der Linkspartei sechs Wochen vor dem ersten gemeinsamen Bundesparteitag ein offener Streit zwischen Politikern aus Ost- und Westdeutschland ausgebrochen. Die Finanzpolitiker der ostdeutschen Landtagsfraktionen und die finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion wenden sich in einem der ZEIT vorliegenden Brandbrief an den Parteivorstand gegen einen Parteitagsantrag, der Investitionen in Höhe von “zunächst jährlich 50 Milliarden Euro” in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur vorsieht und eine Million neue Arbeitsplätze verspricht.

Die Autoren des Briefes erklären, für ein 50 Milliarden Euro teures Konjunkturprogramm stünden “schlichtweg keine Finanzmittel zur Verfügung”. Der aus dem gewerkschaftsnahen, westdeutschen WASG-Flügel der Partei stammende Antrag sei daher “zutiefst unseriös“.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Katina Schubert sagt in Richtung Parteichef Oskar Lafontaine, es reiche “auf lange Sicht nicht, auf populistische Stimmenmaximierung zu setzen, die Linke muss auch den Realitätstest bestehen”.

Der sachsen-anhaltinische Landesvorsitzende der Linken, Matthias Höhn, spricht gar von “Luftschlössern, für die wir nicht gewählt werden”. Der ehemalige Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, nennt den Weg “grundsätzlich falsch“. Mit Wirtschaftspolitik, die Wachstum generiere, habe eine solche Politik nichts zu tun.

Dies offenbart einmal mehr, wo das Problem der Linkspartei liegt: Nicht im Osten, und auch nicht primär in der DDR-Vergangenheit, sondern im sozialutopischen Populismus von Oskar Lafontaine.


2008 09
Apr

Die Taktik der Linkspartei

Mit extremen Positionen hat man in Deutschland keine Chance - das weiß auch Oskar Lafontaine. Deswegen gehört es systematisch zur Taktik der Linkspartei, punktuell moderate Positionen renommierter Persönlichkeiten und Institutionen aufzugreifen, diese zu bekräftigen und ganz nebenbei mit den eigenen, in der Regel extremeren Positionen zu unterlegen.

Ein aktuelles Beispiel: Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, forderte jüngst strengere Regularien für das Finanzgewerbe - in Anbetracht der jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten eine verständliche Position. Konkret hat Sanio - so eine Reuters-Meldung - folgendes gefordert:

  • Änderung der Vergütungs- und Anreizsysteme für Führungskräfte im Finanzwesen
  • Strengere internationale Regeln, um vor allem die laxen Kreditvergaberichtlinien in den USA zu korrigieren
  • Internationale Aufsicht für Rating-Agenturen (statt nur in USA)
  • Änderung der Bilanzregeln, um überzogene (!!!) Abschreibungen auf Wertverluste zu vermeiden

DIE LINKE verbreitete daraufhin eine Pressemeldung, in der folgende Forderungen aufgestellt werden:

  • Verbot der Zulassung von Hedge-Fonds
  • Staatliche Kontrolle der Rating-Agenturen
  • Unterbinden des Handels mit verbrieften Forderungen

Die Grenzen zwischen umsichtigen Mechanismen zur Regulierung des Marktes und der Abschaffung von Marktmechanismen sind manchmal nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Darauf setzt DIE LINKE.